Tai Chi Chuan

Tai Chi Chuan ist eine chinesische innere Kampfkunst (Nèijiaquán) und wird allgemein als die höchste oder ultimative Hand/ Faust bzw. Kampfkunst übersetzt. Es gibt unterschiedliche Schreibweisen wie z. B. Tàijíquán, T’ai Chi Ch’uan und Taijiquan. Im deutschen Sprachraum wird häufig „Tai Chi oder Taiji“ benutzt.

Es umfasst zahlreiche Aspekte, wie z.B. die Gesundheit, Meditation und Selbstverteidigung sowie die Möglichkeit zur persönlichen Entfaltung. Jede Bewegung der Tai Chi Chuan Form hat eine oder mehrere Bezüge zur Kampfkunst. Am deutlichsten erkennt man dies in den Waffenformen.

Zhu Tiancai 2015

Nové video školy mistra Zhu Tiancai. Narozeninový dárek od jeho žáků z Kaifengské školy Čchen Tchaj-ťi čchüan.

Posted by Taiji Akademie on Mittwoch, 2. September 2015

Auswirkungen von Tai Chi auf die Gesundheit

Tai Chi wird in China schon seit vielen Jahren zur Prävention und zur Unterstützung des Heilungsprozesses verschiedener Krankheiten eingesetzt. Es ist ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), wie z.B. die Akupunktur. Neben den klassischen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Stress, Schulter- und Nackenverspannungen, soll Tai Chi positiv bei Beschwerden wie Arthritis, Asthma, Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Migräne, Herz-Kreislauferkrankungen, Gelenkschmerzen, Rheuma, Tinnitus, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Osteoporose wirken. Des Weiteren soll das Gleichgewichtsgefühl und die Verdauung verbessert sowie das Nerven- und Immunsystem positiv beeinflusst werden.

Durch die Art und Weise der Bewegung, die in der Regel langsam, gleichmäßig und fließend ausgeführt werden, wird sich der Übende nach und nach entspannen. Die Atmung wird langsamer, ruhiger und tiefer. Nach längerem Üben werden Körper und Geist beweglicher. Die Gelenkstellungen werden optimiert und die Körperhaltung verbessert sich zunehmend. Traditionell spricht man auch vom „Ölen der Gelenke“. Tai Chi stärkt Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder.

Der meditative Aspekt des Übens klärt den Geist. Die „Entschleunigung“ der Bewegungen kombiniert mit tiefer, natürlicher Atmung (Zwerchfell- oder Bauchatmung) und die damit einhergehende Tiefenentspannung wirken sich äußerst positiv auf das Nervensystem aus und verbessern den Stoffwechsel u. a. durch den erhöhten Sauerstoffgehalt in Blut und Gewebe. Der Übende fühlt sich entspannter. Tai Chi hat eine ausgleichende Wirkung auf den Übenden und führt zu mehr Gesundheit, Vitalität, Fitness und Lebensfreude. Diese Effekte können sich schon nach kurzer Zeit des regelmäßigen Übens einstellen und intensivieren sich zunehmend.

Tai Chi Form

Die Bewegungen oder Stellungen, die in einer festgelegten Choreographie nach den Tai Chi Prinzipien ausgeführt werden, bezeichnet man als Tai Chi Form, vergleichbar z. B. mit der Kata des Karate. Meist werden Kurzformen gelehrt. Es gibt aber auch Lang-, Partner- und Waffenformen.

Tai Chi Stile

Es gibt viele verschiedene Stile im Tai Chi Chuan. Die bekanntesten sind der Wudang-, Yang-, Chen-, Sun- und Wu-Stil.

Tai Chi Chuan ist eine Kampfkunst

Traditionell ist Tai Chi Chuan eine hoch entwickelte Kampfkunst. Es gehört zu den inneren Systemen, wie z. B. Xingyi, Bagua Chuan oder Yi Quan.

Push Hands (Tui Shou) ist die Partnerübung des Tai Chi Chuan

Push Hands (Tui Shou, schlagende, fühlende oder klebende Hände) ist die Partnerübung des Tai Chi Chuan. Hier werden Grundlagen (8 Techniken, 5 Schritte/Richtungen, Erdung, Flexibilität, Aufnahme und Abgabe von Kraft) in einem friedlichen Umgang geübt. Es gibt festgelegte Übungsfolgen (Übungsroutinen oder auch Pattern genannt) und das freie Push Hands mit festem Stand (Dingbu Tuishou) und mit Schritten (Huobu Tuishou). Push Hands ist die Vorstufe zum San Shou (Freier Kampf).

Tai Chi Unterricht und die Wahl des Tai Chi Lehrers

Die Qualität und die Preise des Tai Chi Unterrichts sind sehr unterschiedlich. Die meisten Schulen bieten kostenlose Schnupperstunden an. Im asiatischen Raum werden Ehrentitel wie Meister (Sifu, Shifu), Großmeister u.a. verwendet. Die Bezeichnung „Meister“ ist in diesem Zusammenhang kein geschützter Begriff und sagt nicht zwingend etwas über die Qualität des Unterrichtenden aus. Gut in seinem Fach zu sein – in diesem Fall Tai Chi – bedeutet nicht zwingend auch in anderen Bereichen des Lebens kompetent zu sein oder gar beratend tätig werden zu können!

Vorsicht ist geboten, wenn der Lehrer Alleinvertreteransprüche hat und seinen Schülern abrät oder verbietet sich mit Tai Chi Praktizierenden anderer Stile auszutauschen. Dies widerspricht der offenen geistigen Haltung der Tai Chi Philosophie. In Deutschland haben sich in den letzten Jahren Ausbildungsstandards für Tai Chi Lehrer durchgesetzt. Man unterscheidet zwischen Kursleiter, Lehrer und Ausbilder.

Tai Chi Turniere

Es gibt zahlreiche Kategorien bei Tai Chi Turnieren, wie z.B. Hand-, Partner- und Waffenformen, Tui Shou. Je nach Größe der Veranstaltung werden die Formen in verschiedene Stile und die Dauer der Praxis unterteilt (Anfänger, Mittelstufe, Fortgeschrittene). Bei den Tui Shou (Push Hands) Turnieren werden die Pools nach Gewichtsklassen und Geschlecht aufgeteilt. Bei einigen Veranstaltungen werden auch San Shou (Freikampf) Wettkämpfe ausgetragen.
In vielen Ländern Europas wie UK, Holland und Frankreich gibt es bereits seit mehreren Jahren Tai Chi Turniere. Die Tai Chi Wettkampfkultur in Deutschland ist zunehmend im Kommen.

So wurde 2012 zum ersten Mal die German Taiji Open – die Deutsche Meisterschaft durchgeführt.

Die IMB bzw. Sifu Björn Hammerling war auf der Deutschen Meisterschaft als Hauptwertungsrichter im Formenbereich im Einsatz.